18.02.2018

Ohne Ausweg


Das ist mein Wochenende. Ich verkrieche mich in meinen eigenen vier Wänden und weiß beim besten Willen nichts mit mir anzufangen. Ich starre vor mich hin, ohne irgendetwas zu sehen. Die Bilder vor meinen Augen sind verschwommen, vermischen sich mit dem, was ich zu sehen glaube und mit dem, was ich mir zu sehen erträume. Ich werde zerfressen von der Liebe zu einer Frau, die mir die Schuld an allem gibt. Doch das einzige, wessen ich mich schuldig bekenne, ist eben jene Liebe zu einer Frau, die mich nun verstoßen hat. Alles, was ich sage, ist falsch. Alles, was ich tue ist falsch. Mein ganzes Leben ist falsch. Es ist vergeudet an eine Welt, die mich ohnehin nicht haben will, geschweige denn, respektiert oder mich gar annimmt, so wie ich bin, Mensch, der ich bin.
Mehr weiß ich im Moment nicht zu sagen. Ich ringe immer noch nach Worten.

19.08.2017

Familienparty



Es ist Wochenende. Und heute ist unsere alljährliche Familienparty angesagt. Ich habe keine Familie mehr. Aber meine Frau. Und weil das so ist, werde ich artig dahin dackeln, gut gelaunt in die Kamera lächeln und der Welt erzählen, wie toll dieser Kuchen ist, ohne ihn jemals wirklich zu essen.

Und dann werden mich alle anstarren mit dieser unausgesprochenen Frage auf der Stirn: “Warum hast Du in den letzten 15 Monaten nicht gearbeitet? Warum hast Du Deine Frau nicht ernährt (Du fauler Sack)?” Begriffe wie “Burnout” oder “Depression” existieren nicht in ihrem Wortschatz.

Und ich werde es duldsam über mich ergehen lassen, wie ich schon in Kindertagen die Schläge eines Pfaffen über mich habe ergehen lassen und wie ich heute mein Leben über mich ergehen lasse. 

Vielleicht gelingt es mir sogar, mich über diese ganzen Vorwürfe zu amüsieren, denn eines wissen sie alle nicht: Meine Frau hat sich vor 11 Monaten von mir getrennt. Wir wahren nur für ihre Familie und für unser Geschäft nach außen hin den Schein.

Das wird ein Spass ...

16.08.2017

Rückzug




Mein Herz ist erkaltet. Auf meiner Seele wächst Hornhaut. Ich möchte mich freuen, doch ich erstrahle nicht. Ich möchte so gerne trauern, doch ich weine nicht. Ich möchte Zorn erleben, doch ich wüte nicht. Ich möchte mich selbst verletzen, doch ich spüre nichts.


Welchen Sinn hat also mein Leben, wenn ich all das nicht erleben kann, was den Gefühlen anderer unterstellt wird? Welchen Sinn hat es, eine Marionette zu sein, deren Fäden sich irgendwo im Nebel verlieren? Was soll ich antworten, wenn ich meinen Puppenspieler nicht sehen kann?


“Doch du musst nur glauben, dann wirst Du glücklich sein. Das Gesetz der Anziehung kann dir unermesslichen Reichtum verschaffen. Der Reichtum des Universums ist unermesslich, du musst nur um etwas bitten. Glaube an dich selbst und an deine innere Kraft.” Ja, das habe ich alles versucht. Mit Inbrunst. Offenbar ist das Universum mittlerweile genauso erschöpft, wie ich es bin. Also bleibt mir weg, Ihr Freizeitesoteriker, Auraseher und Positivdenker mit euren tollen Ratschlägen. Einen Glauben, der über Dekaden nicht funktioniert, kann man nicht festigen.


Und nun? Ich lebe. Aber es fühlt sich nicht so an. Und doch bin ich getrieben von zwei Senhsüchten, die mich nicht mehr rasten lassen. Ich sehne mich nach Stille, wie nie zuvor. Ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen, wenn man in einer Großstadt lebt. Und ich sehne mich nach Minimalismus. Nach Aufräumen. Nach Ordnung im Innen und Außen. Weg vom Chaos. Ich sehne mich danach, all das loszulassen, was mir ohnehin nichts bedeutet. Doch was bleibt dann am Ende?


Ich mit mir allein. Ein undankbarer Freund. Fordernd. Perfektionistisch. Rücksichtslos.


Doch vielleicht sehe ich dann klarer.

21.09.2016

Endstation Einsamkeit

 
Ich bade in einem Meer aus Schmerz. Ich tauche in einem See aus Sehnsucht. Die süße Frucht vom Baum der Weisheit hat mich nicht genährt. So stehe ich hier im Regen getrieben von der verzweifelten Hoffnung, er möge die Last auf meinen Schultern hinfortspülen. Und während ich scheitere, bin ich gleichzeitig froh darüber, dass er meine Tränen verbirgt.
 
Wie gern wäre ich jetzt bei dir. Obgleich ich deinem Atem gleich neben mir lausche, ist deine Seele anderswo. Irgendwo fern von mir. Und ich frage mich, wann ich sie verloren habe. Ich frage mich, ob es je ein Zurück gibt. Nichts wird je wieder so sein, wie es einmal war. Aber vielleicht anders. Anders als jetzt. Besser als jetzt. Doch wie soll ich noch glauben, wie soll ich vertrauen, wenn die Flügel der Hoffnung längst gebrochen sind und mich nirgendwo mehr hintragen.
 
Ich blicke voran und bin erfüllt von Angst, ich blicke zurück und das Vergangene erfüllt mich mit Trauer. Im Hier und Jetzt ist nichts.
 
Was soll ich nur tun?